Offener Brief – Stiftung Frauenkirche lässt Gedenkende wegprügeln

Folgender offene Brief wurde heute von uns an die Stiftung Frauenkirche und die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche geschickt – mit Weiterleitung an das Jugendpfarramt der Evangelischen Kirche, die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Pax Christi, die AG Kirche für Demokratie in Sachsen und einige Kirchenoberhäupter:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Form dieses offenen Briefes möchten wir Sie mit den ungeheuerlichen Vorfällen konfrontieren, die sich vor der Frauenkirche am 13. Februar ereigneten und für die Sie eine Mitverantwortung tragen. Dort wurden am Abend friedliche Fans der Boygroup „Take That“ von Polizisten körperlich angegriffen, sowie während des Tages gezielt persönliche Gedenksymbole entfernt.

Wir sind die Fangruppe „Never Forget“ der britischen Boygroup Take That, und haben uns zusammengefunden, um an den 13. Februar 1996 zu erinnern. An einen Tag, der für viele jungen Menschen einer der traurigsten ihres Lebens war. An den Tag, an dem sich unsere Boys trennten und damit für viele eine Welt zusammenbrach. Auch wenn die Gruppe mittlerweile wiedervereint ist – unsere Tränen, die wir am 13. Februar 1996 vergossen haben, werden wir niemals vergessen.

Unser Leid aber wurde von Anfang an belächelt, relativiert oder verschwiegen. Es wurde ins Private abgedrängt, was die Wunden noch tiefer riss. Es folgten nun bisher 16 schmerzliche Jahrestage voll unterdrückter, ungehörter Trauer.

In diesem Jahr wurde uns, einer Gruppe von Freunden, durch Zufall bewusst, dass wir alle das gleiche Schicksal teilen und dass wir nicht mehr bereit sind, es weiter hinzunehmen. So gründeten wir die Fangruppe „Never Forget“ und setzen uns nun für ein öffentliches Gedenken an diese schweren Stunden des 13. Februar, an das Leid aller Opfer dieses Tages ein.

Zu Anfang wandten wir uns in Form eines offenen Briefes an Verantwortliche der Stadt mit der Bitte, das Leid aller Dresdner Bürger – also auch der Opfer der Auflösung Take Thats – im jährlich stattfindenden Gedenken an diesen geschichtsträchtigen Tag angemessen zu berücksichtigen. Auch wenn wir eine positive Rückmeldung erhielten, war eine Umsetzung unserer Forderungen in diesem Jahr offenbar noch nicht möglich. Da wir dies auf Grund unserer sehr kurzfristigen Anfrage so bereits kommen sahen, beschlossen wir, uns in die bereits bestehenden Gedenkveranstaltungen einzureihen um somit wenigstens im kleinen Kreis an unser Leid und das vieler Freunde zu erinnern. An einigen Orten war dies auch sehr gut möglich. Wir teilten viele besinnliche Momente innerhalb unserer Fangruppe, aber auch mit anderen Anwesenden, die der Bombardierung der Stadt gedachten. Alles in allem waren diese Momente geprägt von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung für das Gedenken des jeweils anderen.

Kommen wir nun aber zum Grund, wieso wir diese Selbstverständlichkeit überhaupt erwähnen und damit zum Anliegen des offenen Briefes.
Wir schreiben Ihnen als Organisatoren des Gedenkens rund um die Frauenkirche, dem einzigen Ort in der Stadt, an dem dieses Miteinander offenbar bewusst torpediert wurde.

Wie auch an anderen Orten wollten wir an den extra dafür bereitgestellten Tischen Kerzen und Kuscheltiere, die Symbole, die emotional so stark mit dem 13. Februar verbunden sind, ablegen. Als wir nach wenigen Minuten zurückkehrten, mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass alle unsere Gedenksymbole, die uns viel bedeuteten, entfernt worden waren. Die Tische wurden doch extra von Freiwilligen betreut, Diebstahl kommt somit nicht in Frage. Wäre es nur bei diesem Vorfall geblieben, so hätten wir das wohl einfach für einen Zufall gehalten, doch die weiteren Ereignisse jenes Abends werfen auch auf diesen Umstand ein anderes Licht.

Um 21:30 kamen dann noch mehr Fans, die wir zu einem gemeinsamen Gedenken vor der Frauenkirche eingeladen hatten. Wie verabredet stimmten wir a capella das Lied „Back for Good“ an, das wie kein anderes für die schmerzlichen Erinnungen des 13. Februar 1996 steht und durch seinen getragenen Charakter perfekt zu der Stimmung dieses Ortes passt. Doch kaum hatten wir die erste Zeile gesungen, wurden einige von Beamten der Polizei angebrüllt, festgehalten, teilweise getreten und wie Schwerverbrecher abgeführt. Uns war völlig schleiferhaft, was geschah, und es wurde uns keine Chance gegeben, die Situation zu verstehen. All dies geschah, ohne dass zuvor oder danach versucht wurde, mit uns zu sprechen oder uns die Problematik der Situation anderweitig nahezubringen.
Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, dass diese Prozedur extrem schmerzhaft, demütigend und entwürdigend war, sowie dass die andächtige Stimmung der gesamten Veranstaltung mit diesem rabiaten Vorgehen dahin war.

Diese Aktion, sowie das bereits erwähnte Entfernen von Gedenksymbolen können nicht ohne Ihre Zustimmung geschehen sein. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass sowohl die Freiwilligen als auch die Polizei gezielt auf uns angesetzt worden sind. Dies wird noch bestätigt durch ein Interview auf Coloradio (hier ist der Link, überzeugen Sie sich selbst) in dem eine Besucherin des Stillen Gedenkens berichtet, dass Ordner auf Nachfrage bestätigen, dass sie auf „atypisches Verhalten“ achten sollen.

Was bitte verstehen Sie unter einem „atypischen Gedenken“? Was ist „atypische Trauer“? Wieso ist für diese Dinge kein Platz an der Frauenkirche? Wieso soll der 13. Februar alleine den Opfern der Bombardierung vorbehalten sein? Wieso ist ein gemeinsames Gedenken nicht möglich? Und aus welchem Grund hetzen Sie uns die Polizei auf den Hals, anstatt mit uns in einen Dialog zu treten?

Gewalt gegen friedliche Besucher einer Gedenkveranstaltung anzuordnen oder mitzutragen ist für eine Institution, die sich christlichen Werten verpflichtet sieht, schlicht skandalös.
Wir sind über die Maßen schockiert, empört und erwarten eine Antwort auf diesen Brief, welchen wir auch als Kopie an die lokale Presse versandt haben.

Die Fangruppe „Never Forget“


1 Antwort auf „Offener Brief – Stiftung Frauenkirche lässt Gedenkende wegprügeln“


  1. 1 Gemeinschaft, Harmonie und ein Ende mit Schrecken – ein persönlicher Erlebnisbericht vom 13.02. « Never Forget! Für ein würdiges Gedenken an Take That Pingback am 22. Februar 2013 um 20:14 Uhr
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